Munnar und Freiwilligenarbeit in der Rosevilla

 

Von Fort Kochi aus gibt es AC Busse für 380 Rupies (ca. CHF 6) nach Munnar. Vom KSRTC Busbahnhof aus fahren die öffentlichen für 140 Rupies (ca. CHF 2), die Fahrt dauert bei beiden ca. 4.5 Stunden. Die Anfahrt mit dem Bus nach Munnar ist traumhaft. Die Landschaft präsentiert sich, wie auf einer kitschigen Postkarte. Berge, grüne Teeplantagen und blauer Himmel. Auf unserem Frühstückstisch steht bei Simi eine Kaffeetasse und bei Malou eine Teetasse. Und nachdem wir in Coorg alles über den Kaffee erfahren hatten, können wir uns in Munnar nun dem Tee widmen.

 

 

 

In Munnar gibt es wunderschöne Resorts, die mitten in den Teeplantagen stehen. Wir stellen uns die Aussicht von dort sehr schön vor, doch es trübt die Aussicht auf die Teeplantagen. Da diese Resorts nicht ganz unserem Budget entsprechen, übernachten wir im Dream Palace für 650 Rupies pro Person (ca. CHF 10.-). Das ist das günstigste was wir finden. Die Besitzer, ein älteres Ehepaar, sind hilfsbereit und ebenfalls viel gereist. Sie erzählen uns ihre Abenteuer, unter anderem von Reisen durch die Schweiz.

 

 

 

Die vielen Sehenswürdigkeiten liegen in Munnar weit auseinander. Deshalb ist es nötig ein Fahrzeug zu mieten. Es gibt Motobikes, TukTuk (ca. 800 Rupies pro Tag) oder Jeeps. Da wir mit 3 anderen Travellern unterwegs sind, lohnt es sich für uns einen Jeep inklusive Fahrer für 1500 Rupies (ca. CHF 21 pro Tag) zu mieten.

 

Es gibt unzählige Aussichtspunkte. Ein Paradies um schöne Fotos zu schiessen oder durch die Teeplantagen zu spazieren. Die Atmosphäre ist idyllisch und entspannend, sodass man ewig durch diese Plantagen wandern könnte. Wir besuchen eine Ayurveda Farm. Diese traditionelle indische Heilkunst ist auf unserer Reise durch dieses Land sehr präsent und es ist spannend zu sehen, wie viele Pflanzen, welche wir auch in Europa kennen, eine heilende Wirkung haben können.

 

 

 

Und dann besuchen wir noch das Wondervalley. Einen indischen Vergnügungspark. Wir sind zuerst ziemlich skeptisch, da  der Eintritt 1000 Rupies (ca. CHF 14) kostet. Doch es lohnt sich und es macht richtig Spass was ganz anderes zu machen. Wir seilen uns ab, hüpfen über Hindernisse, fahren Fahrrad in der Luft und balancieren übers Wasser.

 

 

 

In Munnar gibt es ein Teemuseum inklusive Fabrik (Montags geschlossen). Es ist spannend zu erfahren, wie die Briten den Tee nach Indien brachten und sich der Anbau und die Produktion stetig weiterentwickelte. Es ist interessant zu erfahren, dass aus einer Pflanze, Grün-, schwarz- und weisstee hergestellt wid.

 

 

 

 

Munnar liegt auf 1400 m.ü.M. Das Klima ist viel kühler als an der Küste. Wir fahren mit dem Bus noch 1.5 Stunden weiter in die Berge in die Nähe des kleinen Dorfes namens Koviloor. In der RoseVilla wollen wir während einem Monat Freiwilligenarbeit leisten, im Gegenzug können wir gratis übernachten und Essen. Der Besitzer hat zwei Guesthouses und möchte in einem dritten Haus eine selbstversorgende Community aufbauen. Dafür braucht er Unterstützung, den die RoseVilla liegt irgendwo im nirgendwo und es gibt viel Arbeit. Die Nächte sind sehr kühl, wir tragen alle Kleider die wir bei uns haben und frieren trotzdem. Wir warten am Morgen bis die Sonne uns endlich wieder wärmt und saugen die ersten Strahlen richtig auf. Zur RoseVilla und dem nächstgelegenen Dorf gibt es eine Wasserleitung der Regierung. Doch diese ist seit längerem kaputt und die Regierung kümmert sich nicht darum. Das heisst, die Einheimischen müssen sich selbst darum kümmern. Wir sind in der Trockenzeit, der Monsun startet erst im Juni und das Wasser ist knapp. Wir haben meist kein fliessend Wasser, manchmal während mehr als zwei Tagen. Auch der Strom fällt mehrmals pro Tag aus. Es ist für uns eine bereichernde Erfahrung so zu leben. Wir überlegen uns jeweils zwei Mal ob wir wirklich Wasser für etwas brauchen. Kochen, Duschen und Wasser trinken sind nicht mehr selbstverständlich.

 

 

 

Zusammen mit anderen Freiwilligen bauen wir eine Yogaplatform mitten im Wald. Es ist harte Arbeit den Boden von Bäumen und Pflanzen zu befreien und Steine und Erde zu finden, um die Platform zu errichten. Weiter arbeiten wir an einem Treibhaus aus PET-Flaschen. Damit später Gemüse und Früchte angepflanzt werden können.

 

 

 

Doch das Projekt in der RoseVilla hat auch viele Schwierigkeiten. Der Besitzer, welcher wunderschöne Ideen und Visionen hat, hat unglaublich viel Arbeit und wenig Zeit für die Freiwilligen. Er ist ständig beschäftigt mit seinen Guesthouses und der Betreuung seiner Gäste. Dazu gehört auch, am Abend mit den Gästen am Feuer zu sitzen und viel Alkhol zu trinken. Die Region ist beliebt für indische Bachelorpartys. Ausserdem hat er Mühe gutes Personal zu finden. Die jungen Inder zieht es in die grossen Städte, wo sie mehr Geld verdienen können. Niemand will so abgelegen arbeiten und wohnen. Wir unterstützen ihn bei den Unterhaltsarbeiten seiner Guesthouses, während uns die indischen Mitarbeitenden bei der Arbeit zuschauen. Selbstständiges Arbeiten sind sie sich nicht gewohnt und es braucht die ständige Präsenz des Besitzers.

 

Die Einheimischen, welche in dieser Region leben, führen ein sehr einfaches Leben. Sie haben wenig Verständnis dafür, was die Freiwilligen aus dem Westen hier genau machen. Deshalb gibt es das Gerücht, dass in diesem Haus mit Drogen und Prostitution Geld verdient wird.

 

 

 

Wir sind uns selbst überlassen, können tun und lassen was wir wollen. Glücklicherweise sind wir eine tolle Grupee mit Menschen aus der ganzen Welt. Wir sind gleichgesinnte, teilen Reiseabenteuer und können viel gemeinsam lachen. Die Stimmung ist ein bisschen wie in einem Schullager. Wir bekommen zwar täglich die versprochenen drei Mahlzeiten, doch es erfordert jedes Mal viel Organisation und Geduld von uns allen, um an Essen und Wasser zu kommen.

 

 

 

Zwei Tage pro Woche dürfen wir uns frei nehmen. Wir entscheiden uns gmeinsam in den Nationalpark trekken zu gehen. Zwar ist es ohne Führer nicht erlaubt, doch wir wollen nur eine kliene Tour machen, gleich vor unserer Tür. Wir laufen los, über einen steilen Weg hinauf in den Nationalpark. Wir finden überall auf dem Weg die Stacheln eines Stachelschweines und sogar der Totenkopf eines Affen. Plötzlich geht der Weg steil hinauf und auf dem Gipfel angekommen, machen wir eine Essenspause. Plötzlich kommen uns drei Ranger entgegen und wir spüren sofort, dass dies nichts gutes heisst. Sie fragen uns wo unser Führer sei und von welchem Guesthouse wir kommen würden. Wir stellen uns nichts ahnend, wir hätten nur ein bisschen spazieren wollen und nicht gewusst, dass dies nicht erlaubt sei. Ziemlich schnell lassen die Rangers locker und sagen uns wir sollen den Weg zurück ins Dorf nehmen.  Wir machen uns auf den Weg und ahnen, dass es dies noch nicht gewesen sein kann. Sie folgen uns, fangen an zu telefoniern und machen Fotos von uns. Wir vermuten, dass sie jemanden anrufen, der uns von der anderen Seite entgegen kommen soll. Wir sind uns alle einig, dass es keine gute Idee ist, einer Gruppe indischer Männer alleine im Dschungel zu begegnen. Mindestens mit Bestechungsgeld müssten wir da rechnen. Also laufen wir ein bisschen schneller und versuchen die Ranger hinter uns abzuhängen. Als wir genügend Abstand zu ihnen aufgebaut haben, biegen wir nach rechts ab mitten in den Dschungel. Nun legen wir einen Sprint hin, um nach ein paar Minuten alle total erschöpft anzuhalten. Lagebesprechung! Verstecken und abwarten? Weiter mitten durch den Dschungel? Versuchen auf einen Weg zurückzufinden? Wir sind alle leicht gestresst, völlig ausser Atem und nicht immer gleicher Meinung wie weiter. Es ist eine sehr spannende Gruppenerfahrung und wir meistern dies super. Wir entscheiden uns mitten durch den Dschungel weiter zu gehen. Ein Freund hat GPS auf seinem Telefon, wir können uns also nicht verlaufen. Gehen wir zurück auf einen Weg, ist uns das Risiko zu gross, dass uns die Ranger finden. Wir kämpfen uns durch den dichten Dschungel und finden den Weg zurück in die RoseVilla. Wir rechnen damit, dass später irgenjemand mit den Fotos bei uns auftaucht, was aber nicht passiert. Die Flucht ist geglückt und wir sind um ein weiteres Abenteuer reicher.

 

 

 

Die Abende verbringen wir meist an einem Lagerfeuer. Immer wieder hören wir rascheln und suchen alle mit den Taschenlampen die Umgebung ab. Und tatsächlich einmal, läuft ein Stachelschwein an uns vorbei. Ein anderes Mal wird das Rascheln immer wie lauter. So laut, dass wir uns sicher sind, es muss ein Mensch sein. Wir rufen und machen, doch nichts kommt zurück. Wir zünden mit unseren Lampen in die Büsche und plötzlich sehen wir zwei grosse Augen. Sie reflektieren. Jetzt wird uns ein bisschen mulmig und trotzdem wollen wir wissen was es ist. Wir rennen zu unserem Haus, um uns in Sicherheit zu bringen. Schliesslich gibt es in diesem Nationalpark einen Tiger und zwei Panther. Die Einheimischen sagen uns zwar alle, diese Tiere würden nie so nah ran kommen. Wir Ausländer sind uns da nicht so sicher. Wir schauen und horchen weiter und plötzlich sehen wir zwei Augenpaare. Sie sind gross und wir sehen wie sie den Kopf langsam bewegen und uns beobachten. Wie nahe sie an uns sind, ist jedoch schwierig einzuschätzen. Wir sind alle hin und her gerissen zwischen Angst und Neugier. Die Tiere laufen noch ein paar Mal vor unserem Haus hin und her und verschwinden dann im grossen, dichten Dschungel und verraten uns nicht, wer sie sind.

 

 

 

Seit unserer Ankunft sagt uns der Besitzer wir müssten noch Formulare ausfüllen. Dies verlangt die Regierung, wie auch bei Hotelgästen. Nebst all seinen anderen Tätigkeiten schafft er es nicht, dies rechtzeitig zu tun. Deshalb kommt eines Tages die Polizei und sagt, alle Freiwilligen müssten die RoseVilla verlassen. Dies ist die Version des Besitzers. Es gibt noch ein paar andere Versionen und wir wissen schlussendlich nicht genau, was der Grund ist. Es ist aber auch nicht so wichtig, wir hatten eine erlebnis- und lehrreiche Zeit in den Bergen Indiens. Und wir haben tolle Menschen kennen gelernt, mit denen wir uns nun weiter auf die Reise durch den Süden Indiens machen.

 

 

 

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